Erschöpft nach dem Unterricht?

Es ist 15:30 Uhr. Die Schülerinnen und Schüler sind längst weg, doch dein Körper ist noch immer im Unterrichtsmodus. Im Kopf läuft der Tag weiter, die Schultern bleiben angespannt und wirkliche Ruhe stellt sich auch zu Hause nicht ein.
Vielleicht kennst du auch das: Du wachst nachts auf, bist innerlich unruhig oder fühlst dich trotz Wochenende nicht richtig erholt. Medizinische Untersuchungen sind möglicherweise unauffällig – und trotzdem spürst du, dass dein Körper Unterstützung braucht.
Ein Wert kann dabei zusätzliche Hinweise geben: die Herzratenvariabilität, kurz HRV. Sie zeigt nicht, wie schnell dein Herz schlägt, sondern wie flexibel sich die Abstände von Schlag zu Schlag verändern.
Dein Puls erzählt nur die halbe Geschichte
Eine gewöhnliche Pulsmessung zeigt zum Beispiel 72 Herzschläge pro Minute. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, ob zwischen zwei Schlägen immer exakt gleich viel Zeit vergeht. Genau diese feinen Unterschiede misst die HRV.

Aktivierung ist notwendig: Der Sympathikus hilft dir, aufmerksam zu sein, schnell zu reagieren und Leistung zu bringen.
Erholung ist ebenso notwendig: Der Parasympathikus unterstützt Ruhe, Verdauung und Regeneration. Der Vagusnerv ist ein wichtiger Teil davon.
Flexibilität ist das Ziel: Gute Regulation bedeutet nicht, immer entspannt zu sein, sondern nach Belastung wieder in die Ruhe zurückzufinden.
Warum der Schulalltag das Nervensystem fordert
Im Lehrberuf besteht Belastung nicht nur aus der sichtbaren Arbeitszeit. Während des Unterrichts bist du über Stunden präsent: Du nimmst Stimmungen wahr, triffst Entscheidungen, beantwortest Fragen, schlichtest Konflikte und behältst gleichzeitig die ganze Klasse im Blick.

Während des Unterrichts
Geräuschpegel, permanente Aufmerksamkeit, schnelle Entscheidungen und emotionale Verantwortung halten das Nervensystem in hoher Aktivierung.

Nach Schulschluss
Korrekturen, Vorbereitung und kreisende Gedanken erschweren den Übergang in die Erholung – selbst wenn der Unterricht längst beendet ist.
5-Minuten-Praxis

Der Reset nach dem Unterricht
Du brauchst kein Messgerät, um deine Regulation bewusster wahrzunehmen. Probiere diese kurze Atemübung nach dem Unterricht oder vor dem Schlafengehen aus.
Setze dich bequem hin und stelle beide Füße auf den Boden.
Atme vier Sekunden ruhig durch die Nase ein.
Atme sechs Sekunden langsam aus.
Wiederhole den Rhythmus fünf Minuten lang – ohne Druck und ohne besonders tief zu atmen.
Wenn dir schwindelig oder unwohl wird, kehre zu deiner normalen Atmung zurück. Notiere vor und nach der Übung auf einer Skala von 0 bis 10, wie angespannt du dich fühlst.
Richtig einordnen
Vier Fehler die beim HRV-Tracking zusätzlichen Stress machen
Eine einzelne Messung überbewerten
Sich mit anderen vergleichen
Nur noch auf Zahlen achten
Aus Regeneration eine weitere Leistung machen
HRV soll dir Orientierung geben – keine neue Note. Beobachte Trends und verbinde die Messwerte immer mit Schlaf, Stimmung und deinem persönlichen Erleben.
Eine gute Regulation bedeutet nicht, immer entspannt zu sein. Sie bedeutet, nach einer Belastung wieder in die Ruhe zurückzufinden.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden, oder zunehmenden Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt, oder eine andere entsprechend qualifizierte Fachperson.
